Vorschau

Alfred Dörffel

»Es ist ersichtlich, daß Herr Dörffel, dem Sie die schwierige redactionelle Arbeit der Wiederherstellung anvertrauten, nicht blos eine umfangreiche Sachkenntniß, sondern auch allen seinen Fleiß dafür eingesetzt hat.« Dieser Ausschnitt eines Briefes von Hector Berlioz an den Verlag C. F. Peters, für den der Genannte eine Partitur von Glucks »Orpheus und Eurydike« herausgegeben und dabei die italienische und die französische Version verschmolzen hatte, stellt nur eine von zahllosen lobenden Äußerungen über Alfred Dörffel (1821 – 1905) dar. Trotzdem ist dieser Mann, der für das Musikleben Leipzigs im 19. Jahrhundert eine maßgebliche Rolle spielte, bei Felix Mendelssohn Bartholdy Unterricht hatte, zu den eifrigsten Parteigängern Robert Schumanns gehörte und nach Wilhelm Rust die zweitmeisten Bände der Bach-Gesamtausgabe für die Bach-Gesellschaft herausgab, heute nahezu vergessen. Was er als Verleger, Musikbibliothekar, Klavierauszugersteller, Rezensent, Korrektor, Herausgeber­ und nicht zuletzt als Gewandhauschronist – für diese Institution erstellte er eine Festschrift zum 100-jährigen Bestehen, die sich schließlich in zwei umfangreiche Bände auswuchs, einen statistischen und einen historischen – geleistet hat, das beleuchtet Klaus Burmeister in seinem neuen Buch »Alfred Dörffel. Ein Leipziger im Dienste der Musik«, das neben einer Biographie Dörffels eine komplette Statistik der Gewandhauskonzerte von 1848 bis 1881 bietet. Aus dem biographischen Teil wird es im nächsten Heft einen Auszug zu lesen geben.